Der katholischen Kirche ist es gelungen, ein umfassendes Zeichensystem und einen Fundus an Texten zu entwickeln. Diese haben nach wie vor einen erheblichen Einfluss auf die Kommunikationsformen, Strukturen und Stereotypen, mit denen auch heute gemeinschaftsbildende Kommunikation betrieben wird.

»Das erste Buch der Bibel macht deutlich, was passiert, wenn man der großen Autorität nicht mehr gehorcht: Man wird aus dem Paradies vertrieben. In der Präsenz einer Autorität schalten wir das selbständige Denken um eine Stufe zurück. Wir gehorchen Autoritäten, selbst dort, wo es rational oder moralisch keinen Sinn macht. In der katholischen Kirche sind die Autoritätssignale besonders schön ausgeprägt.« Rolf Dobelli

Katholische Kirche – Glaubensorganisation

»Als Gott den Menschen schuf, gleichsam als Abbild Gottes und Krone des göttlichen Schöpfungswerkes, da hauchte er ihm allein die Weisheit ein, damit er alles seiner Herrschaft und Botmäßigkeit unterwerfe (ut omnia imperio ac ditioni suae subiugaret) und alle Annehmlichkeiten der Welt genieße.« Lucius Caecilius Firmianus Lactantius (um um 317): De ira dei 13, übersetzt von A. Hartl

 

Offensichtlich sind die Menschen diesem Aufruf gefolgt, bzw. haben diesen Aufruf erfunden um ihr Handeln zu legitimieren. Dieser Akt einer allumfassenden Unterwerfung der Welt hat unter anderem zu zwei grundelegenden Fragestellunge geführt:

 

Wer darf welche Ressourcen in welchem Umfang wofür nutzen?

Wer darf oder muss welche Handlungen ausführen oder in welchem Umfang andere in ihren Handlungsabsichten beschränken?

 

Wie wurden diese Fragestellungen im Laufe der Geschichte beantwortet? Einmal durch die Bildung von Gemeinschaften, denen die Menschen freiwillig oder gezwungener Maßen zugerechnet werden oder angehören wollen. Damit eine Kooperation innerhalb dieser Gemeinschaften möglich ist, haben sich unterschiedliche, jedoch zumeist hierarchische Organisationsformen entwickelt, deren Aufgabe es ist entsprechende Regeln aufzustellen und durchzusetzen. Es wurden eine Reihe von Methoden entwickelt, die eine Verletzung der Regeln erschweren oder unmöglich zu machen versuchen. Dies beginnt bei Methoden der Überwachung und Kontrolle, über unterschiedlichste Formen der Grenzziehung, bis zu Androhung oder Anwendung von Gewalt. Ergänzt werden diese Methoden durch Belohnungssysteme und damit verbundenen Anreizen und Versprechungen.

»Rituale stabilisieren das Leben. Rituale sind symbolische Handlungen. Sie tradieren und repräsentieren jene Werte und Ordnungen, die eine Gemeinschaft tragen. Die Rituale sind im Leben das, was im Raum die Dinge sind. Die Dinge sind stabilisierende Ruhepole des Lebens. Die Rituale haben die gleiche Funktion.« Byung-Chuk Han

Trionfo della fede; Holzschnittfolge, 1608

Bei der Flucht aus Ägypten teilt Moses das Rote Meer um es mit seinem Volk durchqueren zu können.

Hilarius, Patriarch und Bischof in Rom (Papst) mit Patriarchenkreuz. Hartmann Schedel: Nürnberger Chronik, 1493,