Jede Gesellschaft einigt sich mehrheitlich auf bestimmte Normen und Wertvorstellungen. Dieser Konsens findet seinen Niederschlag in einer bestimmten Ästhetik. Bestehende Werte und Normen werden jedoch auch immer wieder in Frage gestellt. Das Seminar fragt nach der Rolle, die Kunst und Kultur als Nährboden für gesellschaftliche und politische Interventionen spielt? Woran erkennen wir, welche Botschaften bestehendes stützen und welche diese in Frage stellen?

 

Welche visuellen Strategien stehen jenen zu Verfügung, die sich darum bemühen ihre Botschaft als bereits allgemein akzeptiert und verbindlich erscheinen zu lassen? Untersucht werden dabei Zeichensysteme aus dem Bereich Marktkommunikation und der politischen Propaganda.

 

Die Welt aus bislang ungewohnten, neuen, provokanten und entgegengesetzten Blickwinkeln zu betrachten und abzubilden, ist seit langem eine der Aufgabenbereiche mit denen sich künstlerische Arbeit befasst. Lassen sich hier bestimmte wiederkehrende Muster erkennen, die als Klischee auch in anderen Gestaltungsbereichen Einzug gefunden haben?

 

Ziel der karikaturistischen Methode ist es, Fehler und Mängel der dargestellten Zusammenhänge aufzudecken, um sie, unterstützt durch die Art und Weise der Präsentation, der Lächerlichkeit preiszugeben. Mit welchen ästhetischen Strategien wird hier gearbeitet? Die bekannten Stilmittel – Verfremdung, Übertreibung, Verallgemeinerung und Typisierung, Metapher und Allegorie, etc. – werden in ihren Wirkungsweisen am Beispiel historischer und aktueller Arbeiten untersucht.

Gegenpropaganda hat sich zu einer professionalisierten Kommunikationsform entwickelt. Selbst Unternehmen, die Waren und Dienstleistungen anbieten, die dem allgemein anerkannten "Mainstream" zuzurechnen sind, nützen vereinzelt ästhetische Muster des Aufbegehrens und des Protests, um ihrem Markenimage einen besonderen "Beigeschmack" zu verleihen. Welche formalen Methoden werden dabei eingesetzt, um in gesellschaftlich akzeptierter Form eine oppositionelle Haltung zu demonstrieren?

 

Wer seinen Ideen einen besonderen Nachdruck verleihen möchte, geht auf die Straße. Auch in diesem Bereich haben sich inzwischen verschiedene ästhetische Standards etabliert. Die Straße ist heute auch Schauplatz unterschiedlichster Formen "gegenkulturellen" Ausdrucks – Graffiti, Aufkleber, Plakate, Interventionen, etc. Analysiert werden die Anwendungsbereiche und Wirkungsweisen dieser formalen Strategien. Der so genannte "Aktionismus" lässt sich ebenfalls als politisches Konzept und als symbolisches, widerständiges Handeln interpretieren. Welche Methoden des Handelns als Ausdruck subversiver Haltungen lassen sich beobachten? Über die digitalen Netzwerke hat sich inzwischen eine neue mediale Schiene entwickelt, die auch für die Vermittlung von Protesten und Aufrufen zum Widerstand intensiv genutzt wird. Haben sich durch die neuen technischen Möglichkeiten auch alternative Ausdrucksformen entwickelt?

 

Zusammenfassend wird versucht, die Rollenteilungen zwischen affirmativen und subversiven ästhetischen Formensprachen zu umreißen, mit dem Blick auf alternative Strategien, die über die inzwischen erlernten Muster hinausreichen.

Incorrect — Die Ästhetik des Widerstands

SS 2012 | Universität für Angewandte Kunst | Wien