Was ins Auge sticht: Worauf lenken wir unsere Aufmerksamkeit? Was können wir übersehen und ignorieren? Ist Schönheit ein Mittel, das uns den Alltag versüßt, oder leiden wir inzwischen unter einem Schönheitsterror? Genießt, wie gerne versprochen wird, das Schöne eine Vorrangstellung und werden unsere Entscheidungen maßgeblich durch optische Reize manipuliert? Sind das Schöne und das Hässliche Gegensatzpaare? Können wir vom Hässlichen etwas über das Schöne lernen?

 

Was dem Auge schmeichelt: Gibt es einen biologischen „Sinn“ von Attraktivität? Was bedeutet die Idee einer vollendeten Form? Lassen sich objektive Kriterien für das Schöne definieren? Stimmen Menschen in ihrem Schönheitsurteil überein? Lässt sich der Charakter der Menschen an ihren Gesichtszügen identifizieren? Ist Schönheit zugleich ein Symbol des Sittlich-Guten? Hat es, wer gut aussieht, leichter? Ist Schönheit machbar, ein Ergebnis von Angeboten der Schönheitsindustrie? Muss man die Schönheit erzwingen, um eine Chance auf Glück zu haben? Wäre das vollkommen Gute womöglich schrecklicher als das Unvollkommene, die perfekte Welt barbarischer als die weniger perfekte?

 

Der gewöhnliche Augenschmaus: Mögen wir nur das, was wir kennen? Warum ist Schönheit fähig Menschen anzuziehen und zu erregen? Sind die menschlichen Bemühungen, sich in Schönheit zu präsentieren, Formen der Sublimierungen unseres Sexualtriebs? Ist der Schönheitssinn mit besonderen emotionalen und intellektuellen Fähigkeiten verbunden? Muss unser Sinn für das Schöne kultiviert werden? Wer sind die Hüter dessen, was sich schickt, was gefällt und zu gefallen hat? Können wir erklären warum uns etwas gefällt? Warum gilt es als verwerflich, mit Gestaltung den Gefühlszustand der Menschen manipulieren zu wollen?

 

Der exotische Augenschmaus: Welche Rolle spielt das Kuriose, Außergewöhnliche, Fremdartige in unserem Leben? Hat der Menschen ein Bedürfnis nach optischen Sensationen? Benötigt es eines distanzierten Blicks, um die Schönheiten der Welt wahrnehmen zu können? Können wir genießen, ohne zu begreifen? Können wir sehen, ohne zu verstehen? Was ändert sich, wenn die durch Kunst beanspruchte Unterbrechung des Alltags zu einem Element des Alltags wird? Woraus speist sich unsere Sehnsucht nach Wunder, Märchen, Visionen, Mythos, Ekstase?

Der modische Augenschmaus: Über die Flüchtigkeit der Attraktivitätsmuster. Wie entstehen sich wandelnde Geschmacksvorstellungen? Sind Moden das Ergebnis individueller Formvorgaben oder eine Folge kollektiver Werteverschiebungen? Verblasst die Wirkung des Älteren durch das Erscheinen des Neuen? Sind Stile  eine Eigenschaft von Werken oder ein Konstrukt unserer Klassifikationen? Ist Mode eine Form des zweckfreien Tuns, die sich selber Regeln setzt? In welchem Verhältnis stehen Original und modifizierte Kopie zueinander? Ist es, wie Immanuel Kant meint, "besser ein Narr in der Mode als ein Narr außer der Mode zu sein"? Begünstigt das Tempo und die Masse an Informationen, mit der wir täglich konfrontiert werden, Mode und Spektakel?

 

Der einzigartige Augenschmaus: Ästhetik als Legitimationsmodell gesellschaftlicher Differen-zierung. Was bedeutet Luxus? Welche Funktion übernimmt  hedonistischer Demonstrativkonsum in unserer Gesellschaft? Was macht eine Marke zu einer Pemium- oder Luxusmarke? Sind Markenwerte ein Ersatz für andere Wertvorstellungen? Was bedeutet es, wenn jemandem ein "guter Geschmack" aberkannt wird?

 

Der überwältigende Augenschmaus: Einschüchternde Bilder. Ist mediale Präsenz zugleich eine Form der Machtausübung? Werden wir mit Hilfe von Zeichen zur Begierde verführt, lenkbar, ohnmächtig? Lässt sich eine unterjochende Gewalt des Angenehmen beobachten? Ist eine Freiheit des Menschen nur denkbar, wenn es ihm gelingt, die tierisch-unmittelbare Verhaftung ans Sinnliche aufzuheben und sich der Unterwerfung unter den den reinen Affekt zu verweigern? Dienen Feste der Aufhebung oder der Festigung von gesellschaftlichen Ordnungsprinzipien? Ist das Versprechen der Schönheit eine Form der Ablenkung von realen sozialen Problemen und Widersprüchen?

 

Der unsichtbare und der geheime Augenschmaus: Verborgene Genüsse. Tanizaki Jun’ichiro: "Wie ein phosphoreszierender Stein, der im Dunkel glänzt, aber bei Tageshelle jeglichen Reiz als Juwel verliert, so gibt es ohne Schattenwirkung keine Schönheit." Bedarf es der Askese um eine innere und äußere Abhängigkeit von der Welt zu erlangen, indem wir auf sinnliche Genüsse gerichtete Begierden und Erwartungen eindämmen oder beseitigen und Genügsamkeit üben? Hat Antoine De Saint-Exupery recht, wenn er meint, Perfektion sei nur dann zu erreichen, wenn man einen Zustand erreicht, in dem man nichts mehr weglassen kann?

 

Eye Candy | Über die Bedeutung des Schönheitsbegriffs in der Alltagskultur

Universität für angewandte Kunst | SS 2013