„Stellen Sie sich vor, Sie wachen eines Tages auf und alle kommunikativen Zeichen und Spuren sind aus Ihrer Lebensumgebung verschwunden. Wie würden Sie reagieren? Vielleicht würden Sie nach einem kurzen Augenblick der Verwirrung und Verwunderung auch erst einmal aufatmen und Ihre Umgebung auf ungewohnte Art als wie gereinigt und dadurch klarer empfinden. Die verbliebenen Objekte, nun nicht mehr von einer Zeichenebene überlagert, würden als einzige sichtbare Orientierungsmöglichkeit wahr-scheinlich von Ihnen bewusster in Augenschein genommen werden.

 

Was würde sich für Sie verändern? Sie könnten sicherlich weiterhin Ihre gewohnten Wege gehen und die meisten Orte ließen sich auch ohne typografische Beschilderung wieder finden. Unter Umständen müssten Sie Ihre Wahrnehmung schärfen und eben genauer hinsehen, um sich zu erinnern oder um zu erkennen, wo Sie sich gerade befinden und welche örtlichen Angebote wie Geschäfte, Lokale, Bus- und

U-Bahnstationen etc. Ihnen wo zur Verfügung stehen.

 

Vielleicht würden Sie sich auch angenehm befreit fühlen und bemerken, dass unendlich viele der kommunikativen Zeichen nicht gesetzt wurden, um Ihnen zu helfen, sondern um sich Ihnen aufzudrän-gen, damit Sie den Interessen anderer entsprechen und deren Wünschen nachkommen.

In vielen Fällen haben Zeichen ja auch die Funktion, Sie zur Befolgung bestimmter Ordnungsrufe und Verbote zu drängen. Viele Zeichen würden Sie vorerst auch nicht vermissen, weil diese Ihr ästhetisches Empfinden gestört haben oder weil Ihre selektive Wahrnehmung sie bislang einfach übersehen hat.

 

Wir alle brauchen Erinnerungen, um nicht zu vergessen, wer wir sind. Nach einer Weile würden Sie daher vielleicht bemerken, dass es sehr angenehm sein kann, wenn Informationen jederzeit abrufbar bleiben und nicht im eigenen Kopf gespeichert werden müssen. Viele Informationen würden im Laufe der Zeit durch Vergessen verloren gehen und könnten sich unter Umständen nur durch wieder-holtes Memorieren im Gedächtnis bewahren lassen. Auch wenn Sie ein ausgezeichnetes Gedächtnis besitzen, haben Sie vielleicht schon einmal im Gespräch mit Anderen bemerkt, wie dramatisch sich Erinnerungen wandeln können und gerne durch einen immer dichter werdenden Filter der Erfahrung ins Bewusstsein treten. Die Träger visueller Zeichen verwittern, verrosten, bleichen aus, behalten jedoch wie eine fotografische Momentaufnahme Aspekte ihres ursprünglichen Erscheinens. ..." Markus Hanzer

Data Pilot 1.0, Ein Flug über die Aussenhaut der Kommunikation

Warum beschriften wir unsere Umwelt?

Björn Börris Peters, Designklink, 2006