Folgender Text wurde meinem Großvater zum Abschluss seiner Lehrlingsausbildung überreicht:

 

Belehrung

 

Was Du machst, das mache recht, den schlechte Arbeit ist oft sträflicher, als gar nichts tun.

 

Gott hilft, wenn wir unsere Hände nicht in den Schoß legen.

 

Was anderen Menschen wohl ansteht, das ahme nach, was sie gehässig macht, das meide.

 

Bessere Zeiten wünschen, hilft nichts, aber sich anstrengen und besser machen, das hilft.

 

Der heutige Tag, an welchem Sie aus dem Lehrlings- in den Gehilfenstand übergehen, ist für Sie von wesentlicher Bedeutung und bietet uns zugleich die Gelegenheit, einige Worte an Sie zu richten, deren Beherzigung wir Ihnen sehr zu empfehlen uns verpflichtet fühlen.

 

Sie betreten heute eine Bahn, welche die Grenze zwischen einem gänzlich abhängigen und einem freien, gewissermaßen selbständigen Leben bildet.

 

Allein gerade diese Freiheit ist es, welche Sie auf eine vernünftige und vorteilhafte Weise zu benützen haben.

 

Vor allem mögen Sie Gott und die Pflicheten, welche Sie gegen ihn, gegen sich selbst und gegen andere Menschen zu beachten haben, nie vergessen.

 

Beginnen Sie jede Ihrer Verrichtungen mit dem Gedanken an Gott und suchen Sie in Widerwärtigkeiten nur in dem Gedanken an ihn und in dem Bewußtsein streng erfüllter Pflicht Trost und Beruhigung.

 

Weil aus dem Nachwuchs der Gehilfen geschickte Meister und nützliche Glieder des Staates gebildet werden sollen, so ist es auch die Pflicht eines jeden Gehilfen, hierzu aus allen Kräften mitzuwirken; vorzüglich müssen Sie darauf bedacht sein, sich in dem erlernten Gewerbe möglichst zu vervollkommnen, den Ratschlägen Ihres Arbeitsherren zu gehorchen, seinem guten Beispiele zu folgen, liderliche Gesellschaften zu meiden, den Vorteil Ihres Arbeitgebers zu fördern, und durch ein ehrbares, gesittetes Betragen den Lehrlingen ein nachahmungswürdiges Beispiel zu geben.

 

Da Ihre Ausbildung zu den ersten Bedingungen Ihres künftigen Wohles gehört, so dürfen Sie keine Gelegenheit versäumen, das, was Sie noch nicht gelernt haben oder zu erlernen keine Gelegenheit hatten, nachzuholen; ein guter Wille und der Gedanke an dessen Notwendigkeit wird Ihnen ein Sporn zu dessen Erreichung sein.

 

Binden Sie sich nicht an einen Ort, sondern reisen Sie, lernen Sie andere Menschen, ihre Sitten und Gewohnheiten kennen, benützen Sie das Gute hievon für Ihr Leben, glauben Sie aber nicht, daß viel Reisen ohne Arbeit Ihnen einen Vorteil bringt.

 

Mag auch der Blick in die Zukunft Ihnen keine goldenen Früchte jetzt in Aussicht stellen, so unterlassen Sie doch nicht, durch Fleiß, Redlichkeit, gute Aufführung nach Verkollkommnung zu streben, deren Erreichung Ihnen umso leichter erscheinen wird, wenn Sie bedenken, daß Sie in jeder Lage Ihres Lebens Trost und Beruhigung gewährt und daß ihre guten Früchte unausbleiblich sind. – Behandeln Sie die Lehrlinge jederzeit so, wie Sie selbst behandelt zu sein in der Lehre gewünscht haben.

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